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Marokko 2009 - Ein Reise- und Situationsbericht
von Norbert und Bruni Fuchs
 
Unsere erste Auslandsfahrt mit unserem im Oktober 2008 übernommenen HEHN Top*Star 680 SB brachte uns ins "Maghrebinische Königreich Marokko". Marokko ist seit 1972 eine konstitutionelle Monarchie, die seit Mitte 1999 von Mohammed VI regiert wird.

Bereits in 2000 und in 2003 unternahmen wir zwei ausgedehnte Reisen durch dieses interessante Land. Nun, sechs Jahre später, wollten wir die Eigenschaften unseres neuen Wohnmobils dort erkunden und selbst sehen, wie "der junge König" sein Land in dieser Zeit gestaltete.
 
Der HEHN Top*Star 680 SB vor der Kasbah von Amerhidil
 
Bild Reisebericht Marokko 2009 Auf dem Weg nach Ouarzazate passiert man die kleine, von ausgedehnten Palmenhainen umgebene Ortschaft Skoura.

Besonders sehenswert ist die am Oued Amerhidil gelegene Glaoui-Kasbah Amerhidil, die über eine kurze Piste zu erreichen ist.

Die unterschiedlich hohen Türme des verschachtelten Komplexes sind im oberen Bereich mit besonders reicher Ziegelornamentik verziert.
 
 
 
Wir hatten uns dazu eine für Globetrotter schlechte Zeit ausgesucht, denn Marokko versank im Winter 2008 / 09 im Regen. Nach nicht bestätigten Angaben sollen seit 20 Jahren die ergiebigsten Regenfälle vorgekommen sein. Andere Quellen sprechen von 40 Jahren. Aus eigenen Anschauung wissen wir, dass weite Landstriche nördlich des Hohen Atlas bis weit in den März unter Wasser standen. Von Globetrottern waren wir schon vorgewarnt, aber ganz so schlimm hatten wir es uns nicht vorgestellt. Auch auf der Südseite des Hohen Atlas führten einige Flüsse noch genügend Wasser, die in 2000 und 2003 zur selben Zeit ausgetrocknete Geröllfelder waren.

Dieser nasskalte marokkanischen Winter brachte der Landwirtschaft eine gute Wachstumsperiode, aber die Baumblüte war bei unserem Besuch noch arg im Rückstand. In einem solch satten Grün haben wir aber das Land noch nicht gesehen.

Als Wohnmobiltourist kann man Marokko auf mehreren Wegen erreichen. Allerdings nur mit Fähren. Uns ist nicht bekannt, dass der Landweg von Algerien her inzwischen offen ist. Der östlichste Zugang ist der spanische Hafen Melilla. Allgemein wird dieser Übergang weniger empfohlen, denn die Fahrt ins Landesinnere führt durch das noch immer etwas problematische Rif Gebirge.

Entlang der Mittelmeerküste kommt man dann zum ebenfalls spanischen Hafen Ceuta [Sebta]. Von hier bieten sich mehrere sichere Routen ins Landesinnere.

Der westlichste Anlaufpunkt für die Fähren aus Algeciras und Tarifa ist Tanger. Somit stehen mehrere ausgesprochen gut gerüstete Fährverbindungen ab Spanien zur Verfügung.
 
Der HEHN Top*Star 680 SB in der Dades Schlucht
 
Bild Reisebericht Marokko 2009 Nur wenige Kilometer nördlich von Boumalne beginnt die Dades-Schlucht. Den Globetrotter erwartet hier eine grandiose Gebirgslandschaft.

Die Dades Schlucht ist reich an farblichen Kontrasten. Am Dades werden Feigen, Mandeln, Nüsse, Granatäpfel und Gerste angebaut. Der grüne Landstreifen hebt sich schön vom roten Hintergrund der Felsen ab.

Entlang der Schlucht immer wieder kleine Ortschaften und Kasbahs in allen Größen.

Nach ca. 32 km ist der engste und schönste Abschnitt der Schlucht erreicht. Hier ragen die Felswände steil empor und der Dades fließt hart an der Straße entlang.

Nach nur wenigen Hundert Metern steigt die Straße wieder an und man hat die Schlucht durchfahren.
 
 
 
Tanger, allein der Name löst Assoziationen aus. Aber von den Erinnerungen aus Filmen und Büchern ist nicht viel zu sehen, wenn nach den langatmigen Zoll- und Grenzformalitäten das eiserne Rolltor am Hafeneingang aufgemacht wird und man nun in Afrika ist.
Bei unserer ersten Tour in 2000 haben uns die Gerüche, die Unordnung, der pulsierende Verkehr, das Durcheinander, die fremden Menschen in ihrer besonderen Kleidung, die Esel und, und, und noch verwirrt. In 2009 schaut man vom Hafen kommende nach dem blauen Autobahnschild Rabat und übersieht man es nicht an einer ungünstigen Stelle, dann kann man schon bald darauf bei MARJANE die Lebensmittel kaufen, die man in Spanien vergessen hat und noch viel mehr.

Zwischen 2000 und heute hat Marokko einen gewaltigen Schritt vorwärts getan. Wir mögen den Begriff "Fortschritt" nur ungern verwenden, da es nach unserer Meinung gleichzeitig auch ein Werteverlust ist. Dieser Fortschritt zerstört durch Straßen, Autobahnen, Feriensiedlungen ganze Landschaften und führt dazu, dass die Wasservorräte an manchen Stellen zur Neige gehen. Es sei denn, die Regenperioden halten an und die Wüste blüht demnächst wieder.

Zwei kleine Beispiele des Fortschritts:
Das landläufig als "Handy" bezeichnete Funktelefon funktioniert inzwischen in ganz Marokko bis in entlegene Winkel und von Erg Chebbi oder von Taroudannt kann man zu Hause anrufen, was allerdings seinen Preis hat.
Die Großstädte Marokkos sind oder werden mit Autobahnen verbunden. Nach europäischen Vorbildern folgen in gewissen Abständen Raststätten marokkanischen Zuschnitts. Tankstelle angegliedertes Restaurant, Servicestation und Waschhalle. Bei einer solchen Tankstelle wollten wir unsere Womos waschen lassen. Zwei unbeschäftigte Tankwarte lehnten dieses Ansinnen mit der Begründung ab, dass dazu kein Personal vorhanden sei. Das ist negativer Fortschritt.

Inzwischen ist das Straßennetz Marokkos gut bis sehr gut ausgebaut. Nur selten noch Staubstraßen. In den Städten allerdings schlechte bis sehr schlechte Straßen. Aber das gibt es auch in Deutschland, denn manche Gemeindevertreter halten dies für eine natürliche Geschwindigkeitsbeschränkung. Überall Polizei an den Brennpunkten und jede Menge Radarkontrollen auf Nationalstraßen und Autobahnen. Hält sich der Womofahrer an die Verkehrsregeln, erhält er nur freundliche Grüße. Wir sind auf 3.500 km nicht angehalten worden, um Zigaretten, Bier etc. zu erbetteln. Militär ist kaum zu sehen.
 
Der HEHN Top*Star 680 SB am Stadttor von Rissani
 
Bild Reisebericht Marokko 2009 Rissani ist als "Wiege der Alaouiten" für die marokkanische Geschichte von großer Bedeutung.

Von hier aus eroberte die noch heute herrschende Dynastie im 17. Jh. das ganze Land. Rissani ist heute ein bedeutendes Handelszentrum für die Nomaden der Umgebung und das Tor nach Erg Chebbi.
 
 
 
Die Städte und Dörfer prosperieren ungeheuer. Die atlantische Küste baut man eben zu, statt sich am spanischen Niedergang zu orientieren. Die herkömmliche Bauweise mit Lehmziegeln ist nicht mehr modern. Mit Steinen und Zement werden heute Kasbahs und Häuser gebaut. Überall im Land wachsen diese Gebäude hoch, die man am grauen Zementputz erkennen kann. An der Straße der Kasbahs verfallen dagegen die Kasbahs und Ksour.

Die Landschaft selbst, sieht man von der Atlantikküste ab, ist noch weitgehend unverfälscht. Ein Wermutstropfen sind aber die überall verteilten rot-weißen Gittermasten für die Funktelefone.

Dieser Bericht beschreibt nicht die Sehenswürdigkeiten Marokkos. Das haben viele Andere vor uns getan und in jedem Reiseführer findet man Strecken- und Städtebeschreibungen, die besser formuliert und genau recherchiert sind. Wer über diesen Bericht hinaus an unseren Reisen Interesse findet, der sollte bei HEHN nach unserer Website fragen.

Trotzdem möchten wir noch kurz auf die Königsstadt Marrakech eingehen. Wir finden, dass das orientalische zwischen 2000 und heute weitgehend dem Fortschritt geopfert wurde. Der Massentourismus soll es heute bringen oder anders ausgedrückt, die billigen Lederwaren und Textilien in den Souks müssen die Händler am Leben erhalten.

Da gerade der Massentourismus angesprochen ist, müssen wir eine bittere Pille bezüglich des absoluten Wohnmobillandes verteilen. Massenhaft strömen Wohnmobile nach Marokko. Gefühlt sind es 95 % Franzosen. Keine Stadt, kein Dorf, das eine Sehenswürdigkeit hat, bleibt verschont. In der Saison sind überall im Land die Campingplätze auf Monate ausgebucht. Vor den begehrtesten Campingplätzen bilden sich Warteschlangen von bis zu 50 Wohnmobilen. In Taroudannt haben mehr als 100 Wohnmobile, bei primitivsten sanitären Verhältnissen, entlang der Stadtmauer gestanden, teilweise über längere Zeit. Auf dem Campingplatz in Immi Ouaddar (für Agadir) haben wir die Platznummer 732.

Wir nehmen nicht an, dass wir uns, unter den bekannten Bedingungen, nochmals in solch eine Kleinstadt stellen werden. Es ist schade für dieses schöne Land, dass der erwähnte Fortschritt, eigentlich Zerstörung bedeutet.
 
Der HEHN*Top Star 680 SB in Erg Chebbi
 
Bild Reisebericht Marokko 2009 Erg, ist die arabische Bezeichnung für weite Sand- und Dünenwüsten. Erg Chebbi beginnt bald nach Rissani und zieht sich östl. des Oued Ziz entlang der Grenze zu Algerien nach Taouz, der letzte Ort, der hier auf einer Straße erreicht werden kann.
 
 
 
Und als Abschluss noch ein Wort zum eigentlichen Anlass unserer Fahrt, der Erprobung unseres HEHN Top Star 680 SB.

Er erhält die Note "gut". Die Firma Hehn hat eine absolut saubere handwerkliche Leistung abgeliefert. Die Schreinerarbeiten sind Spitzenklasse. Nichts hat versagt, was Hehn selbst konstruiert hat. Die Note "sehr gut" ist leider an den Zulieferanten gescheitert. Die Firma Truma hat daran großen Anteil und auch der Mercedes Sprinter, der u.E. immer noch an der "Elchkranhkeit" leidet.

Für den eigentlichen Zweck, für den wir diese Wohnmobil haben bauen lassen, eine Fahrt nach Asien, ist es nach den derzeitigen Erkenntnissen weniger gut geeignet, wenn nicht noch nachträgliche Einbauten an der Federung Besserungen bringen.


Mit Zustimmung der Verfasser zur Veröffentlichung freigegeben
Haunetal, im März 2009
 
Top^


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